Geschichtlicher Hintergrund des Historischen Hansefestes in Wesel:

Im September des Jahres 1406 betraten der Weseler Bürgermeister Johann van Orsoy, Altbürgermeister Thomas Stecke und Ratsherr Lambert von Orsoy ein Schiff und fuhren rheinabwärts nach Amsterdam um dort die hansischen Gesandten zu treffen und um Aufnahme in die deutsche Hanse zu bitten. Nach vielen Bemühungen und Verhandlungen gelang die Aufnahme im Jahre 1407. Die „Hanse“ war im 14. Jahrhundert in den kaufmännischen Genossenschaften niederdeutscher Städte entstanden. (Gemeinschaft, Volksmenge, Schar – altgermanisch „Hansa“) Diesen Vereinigungen wurden wegen des weitreichenden Handels Privilegien und Vergünstigungen bei Zöllen eingeräumt.

Schon vor der Aufnahme Wesels in die „Hanse“ hatte Wesel bereits aufgrund seiner Lage am Rhein eine lange Entwicklung als Handelsplatz hinter sich. Seit der Erhebung Wesels zur Stadt im Jahre 1241 hatte sich der Fernhandel erheblich ausgeweitet.

In diesem Jahr war Wesel vom römischen König Heinrich VI, bei Abwesenheit seines Vaters Kaisers Friedrich II, an den ältesten Sohn des Grafen Diederich VI von Kleve verschenkt worden. Das Weseler Stadtwappen im Mittelalter stellte den Schenkungsakt mit Adler und unten ein Wiesel mit dem darüberstehenden Wort: Mustela (Wiesel) dar.

Das Leben im Wesel wurde zum Zeitpunkt des Beitritts Wesels zur „Hanse“ von folgendem geprägt: Das Verhältnis zur Obrigkeit der Herzöge von Kleve, der sich immer weiter ausbreitende Handel der Weseler Kaufleute und nicht zuletzt der das Leben bestimmende Einfluß der katholischen Kirche.

Wesels Stadtmauern endeten an der Brückstraße am „Viehtor“. Zusätzlich gab es die einige Vorstädte; die größte war „Mathena“ direkt vor den Stadtmauern mit einer großen Kirche. Zusätzlich gab es noch einige Klöster außerhalb der Mauern – das größte „Oberndorf“. Im Schatten von „St. Nicolei auf Mathena“ stand die bereits im 14. Jahrhundert erbaute Antoniuskapelle. Aufgrund einer Wunderheilungwurde diese zur Pilgerstelle für den gesamten Niederrhein und Westfalen.

So wurde Wesel zur „Metropole“ am unteren Niederrhein und weil „zu allen Theilen ins Mittel gelegen“ wurde sie zu einer der Vorstädte des“Kölner Drittels“. Mit über 4000 Einwohnern zählte Wesel zu den mittelgroßen Städten im Reich.

Zu bestimmten Terminen in Jahr wurde Jahrmarkt gehalten. Auf dem „Großen Markt“ im Schatten der Stadtkirche „Zum hl. Willibrord“ und vor Mathena wurde Markt gehalten. Er begann am Freitag und endete am Sonntag. Hier boten die Händler ihre Waren an, die Handwerker fertigten an Ort und Stelle.

Diese Märkte zogen die Spieler und Gaukler an, die kamen um das Volk zu unterhalten. Damals waren diese umherziehenden Vagabunden ohne „Stand“ und wurden skeptisch beäugt.

So nahm Wesel seinen Aufschwung, wenngleich die Jahre bis 1669 (Ende der Hansezeit) von Kriegen, Pest, Feuersbrunst und vielen anderen Schicksalsschlägen geprägt war.

Bei der neuzeitlichen Betrachtung der Geschichte Wesels stand in früheren Jahren das „Preussentum“ stets im Vordergrund, da Wesel eine lange Tradition als Garnisonsstadt hat.

Die Geschichte Wesels als Hansestadt wurde, abgesehen von Otto Hellweg, der schon 1941 ein Buch über „Wesel als Hansestadt“ schrieb (verlegt bei Karl Kühler 1941/42), nicht so intensiv behandelt.

1991 fand anläßlich der 750-Jahrfeier der Stadt Wesel der „Hansetag der Neuzeit“ in Wesel statt. Die Kaufleute und der Rat der Stadt Wesel bemühen sich seit dem, den Hansegedanken neu zu beleben. Das Historische Hansefest soll Jahrmarkt im historischen Sinne sein.

Deshalb stellen Hansestädte aus ganz Europa sich in der Fußgängerzone, dem Basar der Neuzeit, dar. Dazu bieten die Bauern aus der Umgegend Obst, Gemüse und Fleisch an. Bunte Händler und Handwerker gesellen sich dazu. Untermalt wird das Marktgeschehen auch heute mit Spielern, Tänzern und Gauklern. Alle Beteiligten hüllen sich für drei Tage in historische Gewänder; die Bürgermeisterin der Stadt Wesel, die Hansegilde und der Vorstand der Werbegemeinschaft Wesel nicht ausgenommen.

Daß die angrenzenden Geschäftsleute auch am Sonntag für einige Stunden ihre Waren feilbieten ist heute notwendige Stadtwerbung; aber auch historisch begründet. Der Kreis schließt sich, wenn man nachlesen kann, daß die finanzielle Hauptlast der Hansetage schon früher bei den Weseler Kaufleuten lag.

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